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Von Bettelbriefen, Spendenaufrufen und postalischem Irrsinn

Kennen Sie das auch, dass ständig irgendwelche Spendenaufrufe, auch ‚ Bettelbriefe‘ genannt, ins Haus flattern um Sie aufzufordern, doch ihrem Herz einen Ruck zu geben und für all die armen, unterstützungswerten Institutionen zu spenden?Einmal abgesehen davon, dass es eine wirklich großherzige Geste ist, anderen, die weniger als man selbst hat, etwas vom Kuchen abzugeben. Spenden eine feine Sache. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude.

Beigefügte Geschenke

Die beliebteste Zeit hierfür ist Weihnachten. Gerne gebe ich etwas ab, ohne Wenn und Aber und vor allem ohne eine Gegenleistung vorab zu erhalten.
Deshalb frage ich mich im Moment, ob es sinnig ist, diesen ‚Bettelbriefen‘ ein kleines Geschenk beizufügen?
Wer braucht schon all diese Kugelschreiber, Notizblöcke, Weihnachts-, Oster- und Grußkarten?
Geschweige denn von den Einkaufstaschen und Traumfängern.

Mir würde es genügen, einen simplen Spendenaufruf zu erhalten, in dem erklärt wird, wozu die Spende verwendet wird. Denn wenn ich etwas gebe, dann gerne und nicht, weil ich eine Gegenleistung in Form eines der eben genannten dafür Dinge erhalte.
Doch sind in den letzten Jahren immer mehr Institutionen dazu übergegangen, eben solche Kleinigkeiten beizulegen.
Ursprünglich kannte ich das nur in Form von mund- und fußgemalten Karten, die regelmäßig vor Weihnachten per Post zugestellt wurden und für die auch Verwendung vorhanden war.

 

Spendenaufrufe in übertriebenem Maße

Doch die Fülle der letzten Spendenanfragen jetzt vor Ostern war so umfangreich, dass ich mich frage, ob denn irgendetwas an mir vorübergegangen sein sollte. Oder erhalten andere Arbeitnehmer nun nicht nur ein 13tes, sondern auch ein 14tes oder 15tes Monatsgehalt, eine Ostergratifikation, um all diese Aufrufe erfüllen zu können. Schon eine Spende von fünf Euro würde helfen, steht in den Briefen.
Ich denke, dass mit fünf Euro nicht einmal der Einkauf, geschweige denn der Versand dieser Briefe gedeckt sein sollte. Denn wenn wir von den Statistiken ausgehen, dass ca. jeder zehnte, der angeschrieben wird, auch wirklich etwas spendet, können die Einnahmen doch nur die Ausgaben decken. Wo soll da also der Sinn liegen?

Auswahl Briefkuverts

Ich vergaß zu erwähnen, dass auf die Kuverts dieser Briefe gerne Kinder mit einem Handikap abgebildet werden, um auch richtig vorzuzeigen, wie wichtig unsere Spende benötigt wird. Ist es denn wirklich nötig, uns diese Bilder aufzuzeigen?
Nun ja, der Tabakindustrie wurde vorgegeben, Krankheitssymptome auf den Zigarettenschachteln und andere Tabakprodukten abzubilden.
Meiner Meinung nach, ist das wenig sinnvoll. Denn je öfters man solche Bilder sieht, desto mehr gewöhnt man sich daran und desto mehr stumpft man ab. Die Sensibilität geht verloren.

Das kann man sich in etwa so vorstellen, dass jemand, der sich anfangs nur einmal pro Monat leisten konnte, ins Restaurant zu gehen, dies auch zu schätzen wusste. Je öfters er sich das nun erlauben kann, desto weniger wird er es zu schätzen wissen, weil es einfach dazugehört, weil es zur Gewohnheit wurde.
Oder um ein anderes Beispiel aufzuführen. Eines nachts wurden wir von Hilferufen geweckt.

Schlaftrunken eilte mein Partner einer jungen Frau zu Hilfe, die von einem Fremden überfallen und gewürgt wurde. Nun war das in einer Gegend, wo viele Studenten wohnten. So war auch im Nachbarhaus eine Studentenparty zugange. Diese hatten die Hilferufe auch gehört. Aber anstatt beherzt zu Hilfe zu eilen, standen sie am Fenster in sicherer Entfernung und riefen bei der Polizei an. Wie dieses Verhalten für die junge Frau hätte enden können, kann sich jeder selbst überlegen.

Mein Partner schlug den Angreifer in die Flucht und die junge Frau blieb unversehrt.
Ich konnte mir das Verhalten der Studenten im Nachbarhaus nicht erklären. Wenn ich aber in den Medien immer wieder höre und lese, dass dies zu einem Phänomen unserer Zeit gehört, glaube ich doch, dass eine gewisse Gewöhnung durch die immer wiederkehrende Berichterstattung zu diesem Verhalten beiträgt. Man steht als Zuschauer am Fenster, in sicherer Entfernung, gewissermaßen ‚ Fernsehen live‘.

Aber um wieder zu meinem ursprünglichen Anliegen zurückzukehren, wäre es nicht sinniger, einfach einen Brief mit Bitten um eine Spende zu versenden, und dann, sollte diese Spende auch erfolgen, beispielsweise einen Kalender bei der nächsten Spendenanfrage beizulegen als Dank für die zuletzt geleistete Zuwendung?
Aber es ist wahrscheinlich bequemer Adressen zu kaufen und dann diese kleinen Geschenke beizulegen, als nachzusehen, wer denn nun von den angeschriebenen Personen tatsächlich eine Spende getätigt hat und es wahrscheinlich auch bei der nächsten Anfrage wieder machen wird.

Meiner Meinung nach haben gezielt versendete Anfragen haben mehr Erfolg als ins Blinde hinein versendete. Wie denken Sie über dieses Thema? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

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