Carport 2KW Anlage
Photovoltaik

Plug-In Photovoltaik: Zukunft oder Irrsinn?

Ein neuer Trend im Photovoltaik-Markt sind sogenannte Plug-In Anlagen, auch Mini-PV-Anlagen genannt. Diese im Bereich „bis 300W“ generierenden Anlagen zur Selbstmontage sollen zur Grundlastabdeckung ausreichen und so Energiekosten sparen. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Mini-PV-Panel
Mini-PV-Panel

Das Prinzip ist denkbar einfach: Man nehme einen Photovoltaik-Bausatz und montiere diesen an Balkon oder einer sonnigen Fläche auf dem Dach. Dazu ein paar Drähte miteinander verbinden, Plus auf Plus, Minus auf Minus und ab in die Steckdose damit.

Der Wunsch: Der Stromzähler dreht deutlich langsamer und im Bestfall möglichst lange „gar nicht“. Dieser Wunsch wird Häuslebesitzer in den Niederlanden, in der Schweiz und in Österreich bereits seit einigen Jahren erfüllt: In genannten Ländern sind steckerfertige Solaranlagen in klar definierten Bauformen zulässig.

Zusätzlich sind klare Regeln aufgestellt, die z.B. Aderquerschnitte aber auch Stromkreise und Anschlussarten definieren.

In Deutschland, dem Land der überbordenden Bürokratie sieht es hier noch anders aus. Konkret kann man sogar sagen, es ist von den örtlichen Energieversorger abhängig, ob Anlagen zugelassen sind oder nicht.

Hier auch gleich ein wichtiger Punkt: Vor der Anschaffung sollten Sie unbedingt mit dem örtlichen Netzbetreiber Rücksprache halten, um ungewollte Probleme zu vermeiden.

Einspeisung ins Netz

Gesetz dem Falle, dass die Anlage mehr Energie produziert, als Abnahme besteht, wird die Energie in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Eine sogenannte Einspeisevergütung erhält der „Betreiber der Anlage“ nicht.

Glaubt man der DGS, der deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie, so bestehen lediglich geringe zusätzliche Risiken bei dem Anschluss der Anlagen. Korrekt montiere Anlagen, die notwendige technische Ausstattung mitbringen (zu nennen sei hier z.B. NA-Schutz nach VDE-AR-N 4105, eine Abschaltautomatik) stellen demnach kein Risiko für Stromschläge dar und beeinflussen auch die Funktionalität von RCDs (FI-Schalter, Fehlerstromschutzschalter) nicht.

Hinweis: Bei bestimmten Wechselrichtertypen ist es notwendig, einen sogenannten RCD -B einzubauen. Diese werden besonders dort eingesetzt, wo Wechselrichter oder Frequenzumrichter vorzufinden sind und sind preislich deutlich höher angesiedelt, als der klassische Typ-A- FI-Schalter, den man in den meisten Haushalten finden dürfte.
Technisch unterscheiden sich beide darin, dass der Typ-B-FI auch bei Gleichstromfehlern auslöst – und dieser Gleichstrom wird von den PV-Panels geliefert und können bei Fehlern am Wechselrichter auch auf die Netzseite gelangen.

Glaubt man nun der DGS weiterhin, wird auch die Blitzschutzfunktionalität nicht eingeschränkt, sobald eine Mini-PV-Anlage montiert ist.

Alles also gut? Noch nicht ganz…

VDE-Verordnung 0100-551

Carportmontage
Carportmontage

Aktuell befindet sich eine Novellierung der genannten VDE 0100-551 in Arbeit, die die Montage dieser Anlagen zur Einspeisung in den Endstromkreis regelt.

Wo auch immer die VDE ihre Finger im Spiel hat, kann bereits jetzt davon ausgegangen werden, dass hier kostenintensive Regelungen gefunden werden.

Ob sich dann der Einsatz einer solchen Anlage noch lohnt, bleibt erst einmal abzuwarten. Neben der nun drohenden Bürokratie gilt es aber auch besondere Dinge zu beachten, damit „unterm Strich“ tatsächlich auch ein Gewinn herausspringt.

So muss ein möglichst sonniger Platz für das Panel gefunden werden und die baulichen Bedingungen wie z.B. ein Stromkreis mit 2,5 mm² starken Leitungsmaterial ist vonnöten.

Ich empfinde diese Art der Photovoltaik eine spannende Sache. Ob sich so ein Panel auf Dauer amortisiert und gleichzeitig auch eine Ersparnis mit sich bringt, wird wohl erst ein Langzeittest zeigen.

Wir dürfen gespannt sein.