Top Shops 2015 Umsatz
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Entwicklung des Onlinehandels & Steuertricks der Großunternehmen

Es gibt im Jahr 2017 nur noch wenige Menschen, die nicht online einkaufen. Dieser Trend ist durchaus gefährlich. Warum? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Beginnen wir gleich mit den Fakten: Im letzten Jahr wurden ca. 53 Milliarden Euro im Internet umgesetzt. Dies sind ca. 14 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutschland. Auf den ersten Blick scheint dies zu keinem Problem zu führen.

Einzelhandelsumsatz Destatis Januar - April 2017
Einzelhandelsumsatz Destatis Januar – April 2017

Doch schauen Sie sich die Statistiken (Auszüge, siehe Screenshot) einmal genauer an, werden Sie feststellen, welche Bereiche prozentual Wachstum verbuchen und welche schrumpfen.

In dem Screenshot aus der Pressemitteilung Mai 2017 vom statistischen Bundesamt (Datenerhebung von Januar – April 2017) geht eindeutig hervor, dass trotz hervorragender Wirtschaftszahlen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren preisbereinigt um 2,9 % im stationären Handel geschrumpft ist. 0,8% schrumpften der Handel mit Schmuck, Büchern und sonstigen Gegenständen. Apotheken konnten stabile Umsätze erzielen und Waren- bzw. Kaufhäuser sogar einen Kleinen Wachstum verbuchen.

Gleichzeitig legte der Internethandel mit 6,3% Wachstum im ersten Quartal 2017 am meisten zu! Doch dazu später mehr.

Was bedeuten diese Werte?

Nun in erster Linie erkennt man, dass bestimmte Branchen stärker unter dem Onlinehandel leiden, als andere. Hier sei z.B. der Fachhandel, Textil-/Bekleidungshandel sowie typische Schuhgeschäfte zu nennen, aber auch Juweliere, Buchhandlungen etc.

Die generelle Lebensmittelindustrie leidet weniger unter dem Onlinehandel, da diese „frischen Produkte“ noch nicht so gerne online bezogen werden.

Das Wachstum an Warenhäusern zeigt, dass Großketten sowie Großflächenanbieter, aber auch Discounter zulegen konnten.

Und wo ist das Problem?

Das Problem in dieser Entwicklung liegt darin, dass sich kleine Geschäfte immer schwerer gegen die Giganten auf dem Markt behaupten können.

Bestimmte Branchen haben weiterhin keine Probleme mit dem Handel im Internet, da deren Produkte wenig vergleichbar sind. Bei allen Handelsunternehmen, die im direkten „Preiskampf“ mit den Online-Handelsunternehmen stehen, sieht es düster aus.

Schauen wir ein paar Jahre in die Zukunft, werden wir sicherlich viel mehr Leerstand in den Innenstädten erkennen können. Lokale Vereine, Festivitäten etc. werden kleiner ausfallen, da nicht mehr genügend Sponsoren vorhanden sind.

Und: Die Zeiten für kostenlose Rücksendungen, Billigpreise etc. werden vorbei sein. Denn wenn der Markt erst einmal ausgedünnt ist und die großen Unternehmen erst einmal richtig groß sind, werden diese sicherlich die Preise anheben und den Markt entsprechend gestalten.

Die Gefahr liegt also insbesondere in der langfristigen, sozialen Entwicklung von Städten, Vereinen, Schulen, Kindergärten etc.

Das gesellschaftliche Miteinander sehe ich hier in der Tat bedroht.

Onlinehandel ist nicht schlecht und muss nicht verteufelt werden. Doch die Rahmenbedingungen sind nicht fair gegenüber dem stationären Handel.

Steuertricks und Bevorteilung großer Unternehmen

Top Shops 2015 Umsatz
Top Shops 2015 Umsatz

Mit viel Lärm wurde im Mai 2015 die Gründung einer Amazon-Niederlassung in Deutschland gefeiert. Denn seit diesem Tag zahlt Amazon in Deutschland steuern, oder?

Nun ja. Die Zahlen, was Amazon tatsächlich an den deutschen Staat abführt, sind bisher nicht offengelegt. Durch das sogenannte „Double Irish with a Dutch Sandwich“-Verfahren, werden anfällige Steuern massiv gesenkt.

Einfach ausgedrückt gründet man als Unternehmen ein Tochterunternehmen in einem Land, das als Steueroase gilt (Irland, Luxembourg, Zypern…). Dieses Unternehmen stellt Rechnungen in Form von Lizenzgebühren für eine Veredelung z.B. von Rohstoffen oder ähnliches an die Filialen in Deutschland. Dies muss natürlich auf den speziellen Unternehmensfall angepasst werden. So lassen sich zigtausende Euro im „Kleinen“ sparen – oder eben Millionen im Großen.

Dieses Prinzip wendet auch Amazon abgewandelt ein, sofern man den Hinweisen Glauben schenken darf. So schrieb die Zeit bereits vor zwei Jahren: „Allerdings wird das neue Steuermodell des Konzerns Deutschland keine großen Steuereinnahmen bringen, denn Amazon macht kaum Gewinn. Konzernchef Jeff Bezos will expandieren und investiert den Großteil seines Profits direkt wieder.“

Und genau das ist seit vielen Jahren die Strategie der Megakonzerne: Investieren, Gewinne verschieben und so legal Steuerlöcher ausnutzen. Möglichkeiten, die der kleine Einzelhandel nie haben wird, werden hier geduldet und zum Teil sogar forciert.

Ein weiteres Beispiel dafür ist Facebook mit ihrer deutschen Zweigstelle:

GuV Facebook Deutschland
Gewinn und Verlustrechnung Facebook Deutschland 2015

Zur Erinnerung: Facebook ist ein Multi-Milliardenkonzern mit einem Umsatz – 2013 – von fast 13 Milliarden Euro. Dabei blieben ca. 3 Milliarden Euro an Gewinn über.

Welcher Anteil fiel nun auf Deutschland? 2013 wurden laut Focus bei der „Facebook Germany GmbH“ ein Umsatz von 9,3 Millionen Euro ausgewiesen. Steuern sind 220.000€ angefallen, ein Steuersatz von ca. 33%, berichtet der Focus.

2015 wurde laut Bundesanzeiger bei mehr als 20 Millionen € Umsatzerlösen Steuern in Höhe von 466.035,03 € gezahlt. Doch wieso macht Facebook Deutschland so wenig Umsatz / Gewinn? Jede Werbeanzeige, die Sie schalten, wird über Facebook Ireland abgerechnet. Dies bedeutet, dass Ihre Gelder nie in Deutschland ankommen, sondern nach Irland transferiert – und versteuert werden.

Ist das rechtlich in Ordnung?

Natürlich. Diese Steuerschlupflöcher gibt es seit vielen Jahren. Ernsthaft dagegen vorgegangen ist weder die EU noch die Bundesregierung.

Angeblich soll 2020 Schluss sein mit diesen Steuertricks. Bis dahin haben die Unternehmen Zeit, alle anderen, die nicht derart Steuern sparen können, dem Erdboden gleich zu machen und neue Wege zu finden, das Geld mit möglichst geringem Steueranteil außer Landes zu schaffen.

Für Sie, lieber Leser, bleibt nun die Frage: Was tun?

Überlegen Sie, ob Sie immer den niedrigsten Preis für ein Produkt zahlen wollen. Informieren Sie sich auch einmal über die Praktiken der Unternehmen in Bezug auf Lohnzahlung, Arbeitsbedingungen etc. Und dann denken Sie darüber nach, ob Sie unter solchen Bedingungen arbeiten möchten.

Im besten Falle, zahlen Sie einen „Zehner“ mehr und geben Sie das Geld an einen Unternehmer vor Ort, der diese Steuertricks nicht anwendet und lokale Vereine, Schulen oder Feste unterstützt. Damit leisten Sie selbst einen Beitrag zum besseren Leben und verändern vielleicht auch die Handlungsweise dieser Megakonzerne – auf die lange Sicht.

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